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Interview mit Archie Panjabi alias Kendra Malley aus "Departure - Das Zugunglück"

Erfahrt im Interview mit Archie Panjabi, was die Hauptdarstellerin über die neue Staffel "Departure - Das Zugunglück" und ihre Serienfigur Kendra Malley zu sagen hat.
 

News Departure Interview

 

J: Wie ist der mentale Zustand Ihrer Figur Kendra in der zweiten Staffel?

Archie: In der ersten Staffel haben wir gesehen, dass Kendra immer noch tief betroffen war vom Verlust ihres Partners bei einem tragischen Autounfall. In der zweiten Staffel geht es ihr etwas besser, da sie nach Amerika rekrutiert wurde und jetzt mit einer neuen Gruppe von Menschen arbeitet. Es ist erfrischend für sie, aber wie man während der Serie sehen wird, leidet sie immer noch unter dem Schmerz durch den Verlust ihres Partners. Die neue Firma und die Kollegen jedoch ebnen ihr einen Neuanfang.

 

J: Was sind Kendras Herausforderungen in der zweiten Staffel?

Archie: Nun, ich habe vorhin erwähnt, dass das Reisen in ein neues Land mit neuen Kollegen der ideale Weg für sie war, um mit dem Schmerz, ausgelöst durch den Verlust ihres Partners, umzugehen. Eine der Herausforderungen, mit denen sie sich jedoch konfrontiert sieht als sich nach Michigan geht ist, dass sie eine Außenseiterin ist – ​​sie sieht nicht aus und redet nicht wie die meisten Leute von dort – ​​und sie leitet diese riesige Untersuchung, während die ganze Welt zuschaut. Es gibt also zunächst einige Herausforderungen, aber das Schöne an der Figur Kendra liegt in der Natur ihres Jobs, nämlich dass sie innerhalb kürzester Zeit Beziehungen zu Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten aufbauen muss. Obwohl es eine Herausforderung ist, ist es auch etwas, womit sie ihren Lebensunterhalt verdient – ​​Sie ist in der Lage, mit Menschen zu sprechen, sich mit Menschen zu verbinden und eine rasche Beziehung mit ihnen aufzubauen. Und sobald sie diese Beziehungen aufgebaut hat, werden diese ihr unweigerlich dabei helfen, die Wahrheit hinter dem Zugunglück an Licht zu bringen.

 

J: Haben Sie das Gefühl, dass die Coronavirus-Pandemie die Art und Weise, die Geschichte der zweiten Staffel zu erzählen, verändert hat?

Archie: Ich weiß nicht, ob es die Geschichte verändert hat, aber wir haben die Einschränkungen sicherlich gespürt, als wir mit den Dreharbeiten begonnen haben. Beispielsweise, wenn man eine Serie wie diese dreht, muss man viel lesen, man hat Proben oder es wird ein Willkommensessen veranstaltet, bei dem man die Schauspieler kennenlernt, mit denen man zusammenarbeiten wird. So kann eine Bindung aufgebaut werden, man kann Ideen austauschen und über Ideen sprechen. Die Schwierigkeit bei dieser Serie bestand darin, dass sich die Schauspieler erst am Drehtag, kurz vor dem Dreh treffen konnten und wir eine Maske trugen. Und wir hatten einen wunderbaren Regisseur, jedoch hat er die Filmproben verloren. Also machte ich meine erste Aufnahme mit einem der Schauspieler, die ich bisher nur mit Maske gesehen hatte, das volle Gesicht sah ich bei dieser Aufnahme zum ersten Mal. Das war anfangs seltsam, aber nur eines der Probleme das wir durch Covid hatten. Was wir letztendlich taten, war, dass sich alle Schauspieler während des Drehs große Mühe gaben, mit den anderen Schauspielern zu sprechen, ihre Ideen zu teilen, die Line-Runs zu machen und versuchten, zu diskutieren, wie sich ihre Beziehungen entwickeln würden über die sechs Folgen, da wir nicht chronologisch gedreht haben. Ich denke, dass dies die Schauspieler einander nähergebracht hat, weil sie in sehr kurzer Zeit gezwungen waren, eine Verbindung aufzubauen, und ich denke, dass viele der Szenen, die Kendra mit den anderen Charakteren zeigt, wirklich spannende Darbietungen sind. Denn obwohl es ein brillantes Drehbuch gibt, hängt die Art und Weise, wie man dieses Drehbuch liest, von der Chemie ab und man kann diese Chemie nur über eine Beziehung herstellen. Daher denke ich, dass wir es geschafft haben, einige wirklich interessante Szenen mit all diesen Charakteren zu schaffen. Ich betrachte es als etwas Gutes, das aus Covid hervorgegangen ist. Wir arbeiteten innerhalb der Einschränkungen, die wir hatten.

 

J: Was haben Sie von Ihrer Figur Kendra gelernt?

Archie: Eine der Dinge, die ich an Kendra bewundere – und das ist auch die Art und Weise, wie meine Eltern mich erzogen haben, und ich sehe das auf jeden Fall bei Kendra – ist die Fähigkeit, sich anzupassen, in der Lage zu sein, mit Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen, die vielleicht anders aussehen und sprechen als sie oder eine andere Kultur haben, in Kontakt zu treten, denn letztendlich sind wir alle Menschen. Und es gibt so viel Spannung in der Welt, Kendra jedoch zeichnet aus, dass sie es schafft, die Perspektiven aller zu verstehen. Sie ist sehr mitfühlend, und ich denke, das ist eine ihrer größten Stärken und das macht sie zu einer guten Ermittlerin.

 

J: Was war Ihr erster Eindruck von Ihrer Figur Kendra und spiegeln sich Teile Ihrer Persönlichkeit in dem Charakter wider?

Archie: Ich denke, in jedem Charakter, den ich spiele, steckt immer ein Teil von mir. Ich weiß nicht, welcher Teil, aber ich denke, die Rolle muss aus deinem eigenen Leben schöpfen. Es ist wie bei einem Schriftsteller, man kann nur über etwas schreiben, das einem sehr nahesteht, und daher habe ich definitiv das Gefühl, dass ein Teil von mir in Kendra steckt. Als ich in England aufwuchs, waren meine Eltern sehr darauf bedacht, Weihnachten zu feiern und Diwali [das indische Lichterfest] oder Eid [das islamische Opferfest] gegenüber respektvoll zu sein, um alle Kulturen, alle Glaubensrichtungen, alle Menschen aus allen Gesellschaftsschichten unabhängig von ihrer Klasse oder ihrem Geschlecht zu verstehen – und ich habe das Gefühl, dass es wahrscheinlich ein Teil von mir ist, warum es für mich keine so große Herausforderung war, in die Fußstapfen von Kendra zu treten, denn das ist es, was Kendra tut. Sie trifft nach einer Katastrophe Menschen unter unglücklichen Umständen, muss aber in der Lage sein, sie nicht zu beurteilen, respektvoll zu sein und sich mit ihnen zu verbinden, um eine Beziehung aufzubauen. Ich habe also das Gefühl, dass darin wahrscheinlich ein bisschen von mir steckt.

 

J: Zugwracks können sehr chaotisch und möglicherweise sehr blutig sein. Was hat Sie am ersten Tag, als Sie das Zugwrack-Set betraten, am meisten beeindruckt?

Archie: T. J. Scott [der Regisseur] hat es sehr filmisch dargestellt – mit Rauch und Feuer – aber ich denke, eine der stärksten Szenen ist, wenn man tatsächlich den Crash und die vielen Leute sieht. Es gab einige großartige Action-Momente mit tollen Schauspielern, die sich wirklich tief in die Rolle derer, die gerade ein Zugunglück erlebt haben, reinversetzt haben. Und ich erinnere mich, dass ich ständig zu jedem von ihnen ging und fragte "Geht es dir gut?" weil sie so gut waren. Und einige von ihnen drehten sich um und sagten "Ich liebe das total, weil wir wirklich in diese Charaktere eintauchen, die gerade ein Zugunglück erlebt haben". Sie haben es wirklich geliebt. Aber wissen Sie, für mich waren die Szenen, in denen ich Menschen mit Schmerzen sah, ziemlich schrecklich, so z.B. eine Szene, in der eine schwangere Frau unter einem Zug feststeckte. Ganz zu schweigen von den Trümmern des umgekippten Zuges. Daher sind einige dieser Szenen ziemlich schrecklich. Gleichzeitig war die Art und Weise, wie das Ganze mit dem Feuer, dem Rauch und den Lichtern gefilmt wurde, meiner Meinung nach sehr filmisch.

 

J: Was macht Departure Ihrer Meinung nach frisch und anders als andere TV-Serien?

Archie: Als ich zum ersten Mal die Skripte gelesen habe, war ich überrascht, dass es so etwas zu dieser Zeit noch nie gegeben hat. Die erste Staffel basiert auf dem Vorfall der Malaysian Airline. Ich konnte mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal etwas gesehen habe, bei dem es um einen Unfall als Voraussetzung für eine Katastrophe solch großen Ausmaßes ging. Es schien so einfach, aber ich weiß nicht, ob so etwas schon einmal im Fernsehen zu sehen war. Das macht es einzigartig und Binge-würdig. Die Serie hat eine große prozedurale Seite und viele Wendungen. An der ein oder anderen Stelle war die erste Staffel vielleicht etwas zu technisch, sodass die Zuschauer nicht jedes Detail verstanden haben, jedoch tat das dem Ganzen keinen Abbruch, wir haben das Feedback erhalten, dass man einfach unbedingt herausfinden wollte was letztendlich passiert ist, man wollte das Ergebnis wissen. Und ich denke, das macht die Serie Binge-würdig. Viele Leute, die ich kenne, wollten die Serie direkt auf einmal sehen. Mit der zweiten Staffel werden wir die Charaktere und deren Charakterentwicklung noch besser kennenlernen, so dass diese Staffel, neben der prozeduralen Seite, eine schöne weitere Seite bieten wird. Ich weiß nicht – ihr müsst entscheiden [lacht]. Aber das ist meine Meinung dazu, und ich konnte nicht glauben, dass dies die erste Serie ist, die Vincent Shiao jemals geschrieben hat. Und es fühlt sich an wie etwas, das schon vor langer Zeit hätte geschrieben werden sollen.

 

J: Würden Sie sagen, dass Sie durch Departure jetzt mehr Angst haben oder nervöser sind, ein Flugzeug oder einen Zug zu betreten?

Archie: Ich mag die Antwort, die Vincent Shiao eines Tages dazu gegeben hat, als ihm diese Frage gestellt wurde. Er sagte: „Ich fühle mich tatsächlich sicherer“ und ich denke, mir geht es wahrscheinlich genauso, denn – besonders bei Flugzeugen – wenn man merkt, wie selten so etwas passiert, und man die Mechanik eines Flugzeugs und seine Funktionsweise versteht – und es ist dasselbe mit einem Zug – es passiert sehr selten, dass etwas schief geht. Und wenn etwas schief geht, wird so viel Forschung, Zeit und Ressourcen investiert, um herauszufinden, was schiefgelaufen ist, um sicherzustellen, dass es nie wieder passiert. Also, ich denke, durch Departure fühle ich mich ein bisschen sicherer, als ich es vorher getan habe.

 

J: Welche Art von Projekten möchten Sie in Zukunft produzieren?

Archie: Etwas, das wahrscheinlich halbautobiografisch ist, etwas, über das ich gesprochen habe, und etwas, über das ich angefangen habe zu schreiben, was für mich ein ganz neues Gebiet ist. Ich habe eine Geschichte zu erzählen, die teilweise auf meinem eigenen Leben basiert, und das wäre wahrscheinlich der Weg, den ich gehen möchte. Wie ich bereits erwähnt habe, kann man meiner Meinung nach nur über etwas schreiben, das man selbst gut kennt. Vor einem Jahr erzählte ich jemandem von meiner Vergangenheit und diese Person meinte zu mir, dass sich diese Geschichte wirklich gut für eine Fernsehserie machen würde, also… [lacht]. Man weiß nie, aber mal sehen.